Kölns Autofahrer können aufatmen. Der Verkehr wird bald flüssiger werden. Zu verdanken ist dies einem Projekt, das sich "Mobilität in Köln" nennt. Motorradfahrer sollen jeden Morgen und jeden Abend durch die City fahren und dem Berufsverkehrsstau auf die Schliche kommen.
Was jeder Autofahrer schon lange wußte, hat nun auch die Stadtverwaltung gemerkt. Stauverursacher sind diejenigen, die widerrechtlich in der zweiten Reihe parken, also Lieferverkehre und Brötchenholer. Diesen Spitzbuben geht es jetzt an den Kragen. Mit Hilfe der "Motorradstreife" sollen sie schnellstmöglich ausfindig gemacht und kurzerhand auf den Abschlepphaken genommen werden.
Es ist natürlich reiner Zufall, daß justament in diesen Tagen die Abschleppgebühren nicht nur kräftig angehoben, sondern zusätzlich auch die Kosten der Verwaltung mittels einer Verwaltungsgebühr gedeckt werden sollen.
Praktisch ist natürlich auch, daß sich in der Stadtverwaltung sozusagen alles in einer Hand befindet. So können der Einsatz der "Spürhunde" gesteuert, die wenigen Parkplätze noch weiter abgebaut und zusätzliche Halteverbotsschilder errichtet werden. Wenn das alles nicht helfen sollte, besteht außerdem die Möglichkeit, vermehrt Anwohnerparkzonen auszuweisen, was im Endeffekt die gleichen Wirkungen erzeugt.
Insgsamt kann diese System bei vernünftiger Planung strategisch als kassenfüllendes Instrument eingesetzt werden. Einige Kleinigkeiten wären eventuell noch zu regeln. So etwa die Frage, ob die Mobilitätsstreife bei ihren rasanten Fahrten durch das Kölner Stadtgebiet hoheitliche Rechte bekommt und somit auch gegen bestehende Verkehrsregelungen verstoßen kann oder etwa die Frage, ob die vertraglich gebundenen Abschleppdienste bereits frühmorgens an die kritischen Stellen dirigiert werden können, da sie ja ansonsten den Abschleppbereich nur unter erschwerten Bedingungen erreichen können.
Simple Lösungen, etwa mehr Parkraum oder zumindestens mehr Raum für Lieferfahrzeuge zu schaffen, sind in unserer komplizierten Welt offenbar zu einfach. Vielleicht liegt ja auch Mißverständnis vor. Sollte es statt "Flüssiger Verkehr" vielleicht "Flüssiger Autofahrer" heißen? Oder war's am Ende der überflüssige Autofahrer?
Text: Clemens Lueg
aus: markt-wirtschaft 4/98
Mit bestem Dank an die IHK Köln
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